Acht Schichten Thermounterwäsche, Shirts, Pullover und Jacken! Acht!!! Und trotzdem frieren wir. Wer ist bloss auf die bescheuerte Idee gekommen, im November nach Wales zu fahren? Als hätten wir nicht schon genug Erfahrung von früheren Wales-Reisen im Juli oder August, denn selbst in diesen Sommermonaten haben wir gefroren. Doch die Aussicht auf farbige Herbstwälder und goldenes Licht der tiefstehenden Sonne war zu verlockend. Also sind wir nochmals nach Wales in den Machloop, für Fotos von Helikoptern, Transportern und Kampfflugzeugen beim Tiefflugtraining.
Tag 1, Lumberjackhill. Nachdem wir diesen Spot vor drei Jahren vergeblich gesucht hatten, fanden wir ihn dieses Jahr auf Anhieb. Der Aufstieg ist lang und nur mit Glück findet man im dichten Wald den Pfad zur kleinen Lichtung mit Aussicht auf das Tal. Früh morgens hatten wir noch etwas Sonne, doch leider zogen bald Wolken und leichter Regen auf. Unserer Freude an der CV-22B Osprey tat dies jedoch kein Abbruch. 

Tag 2. Cad West: Nach dem Studium der Wetterprognosen am Vorabend, entschlossen wir uns etwas länger zu schlafen und das Frühstück zu geniessen. Gegen 11Uhr liess der Regen wie vorausgesagt nach und wir stiegen zum bekannten Spot Cad West auf. Von diesem hat man den grössten Weitblick von allen Fotoplätzen im Machloop und gewährt eine komfortable Vorwarnzeit wenn sich ein Flugzeug nähert. Doch es zeigte sich bis am Abend kein einziges, sodass die schöne Stimmung bei Sonnenuntergang das einzige Sujet des Tages blieb.

Tag 3, Bluebell. So richtig trauten wir dem Wetterfrosch nicht, der viel Sonnenschein für den dritten Tag voraussagte. Doch er hatte recht! Da der Himmel bereits in der Nacht klar war, fielen die Temperaturen unter Null Grad und es legte sich eine Eisschicht auf die herbstliche Landschaft. Der steile und strenge Aufstieg zum Spot Bluebell gestaltete sich denn auch etwas einfacher, da der schlammige Boden gefroren war. Vielleicht lag es aber auch an der überdurchschnittlichen Motivation wegen des Sonnenscheins...
Ist es frustrierender, bei schönem oder bei schlechtem Wetter auf dem Hügel zu stehen und stundenlang auf Flugzeuge zu warten? Ich glaube bei gutem Wetter ist es schlimmer. Denn jede Minute die verstreicht, ohne dass ein Flugzeug auftaucht, ist eine entgangene Chance auf besondere Bilder. Nach fast vier Stunden bei herrlichstem Licht ohne Flugzeuge kam endlich die Erlösung in Form von zwei F-15E Eagle der US Air Force. 
Zu unserem Glück kamen die beiden nicht bloss einmal vorbei. Gleich drei Runden sind sie durch den Machloop, und dies für amerikanische F-15 verhältnismässig tief. Auf jeden Fall perfekt für schöne Bilder mit farbigen Wäldern im Hintergrund.
Eineinhalb Stunden später nochmals eine einzelne F-15E. Und auch sie flog drei Runden durch den Loop.
Kurz vor 14Uhr wieder eine Patrouille aus zwei F-15E. Und nochmals drei Runden. Damit hatten wir 15 Vorbeiflüge von F-15 Eagle!
Die Royal Air Force setzt das Transportflugzeug C-130 Hercules seit 1966 ein und feierte dies mit dieser Sonderlackierung.
Tag 4, Bwlch Exit. Bwlch ist der am meisten frequentierte Spot unter den Flugzeugfotografen. Der Aufstieg ist kurz, es gibt viele gute Standplätze auf verschiedenen Höhen über dem Pass und die Vorwarnzeit ist sehr gut. Dafür ist der Bildhintergrund leider sehr eintönig. Bwlch Exit beschreibt einen benachbarten Spot etwas weiter westlich. Bei diesem hat man fast keine Vorwarnzeit, dafür einen spannenderen Bildhintergrund. Leider zeigten sich uns an diesem Tag ausser einem einzigen Hawk bloss ein paar gefiederte Flugobjekte.
Tag 5, Bluebell. Für den letzten Tag unserer Reise konnten wir uns lange nicht entscheiden, auf welchen Spot wir wollen. Schlussendlich fiel die Wahl nochmals auf Bluebell, weil dort der Bildhintergrund am interessantesten ist. Der Wind bliess an diesem Tag so stark wie wir es in Wales noch nie zuvor erlebt hatten. Im Wetterbericht war von vielen Wolken die Rede. Doch der Wind zerfetzte die Wolkendecke, sodass wir viele sonnige Abschnitte geniessen durften. Ungefähr dreissig Sekunden bevor zwei Eurofighter Typhoon vor unseren Kameras auftauchten, startete wieder eine sonnige Phase. Keine Minute nachdem der Schall der beiden Fighter verhallte, lag das Tal wieder im Schatten einer grossen, schwarzen Wolke... Schwein muss man haben!
Eines der Bilder, das am besten symbolisiert, weshalb Herbst die beste Jahreszeit zum fotografieren ist. Die tief über den Horizont kriechende Sonne leuchtet fast jeden Quadratzentimeter aus. Und dazu der Wald in prächtigen Herbstfarben. 

Der Tiefflug ist im Herbst vermutlich anspruchsvoller als im Sommer. Erst im Schatten von Bergen, dann geblendet von der tiefstehenden Sonne, gefolgt von Nebelbänken. Und das alles wechselt im Sekundentakt. Auf 100 Meter über Grund, in engen und kurvenreichen Tälern.

Für erfahrene Piloten stellt der Tiefflug vermutlich kein Problem mehr dar. Pilotenschüler in den Hawk T2 werden bestimmt etwas mehr ins schwitzen kommen.

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